Seiten

Samstag, 16. April 2011

#Kindererziehung aus #islam ischer Sicht (Teil 3): Wie gehe ich am besten mit meinem Kind um?

Im dritten Teil dieser Reihe wollen wir uns einige Methoden ansehen, wie man eine gute Beziehung zu seinem Kind aufbaut und erhält, und wie man seine Erziehungsziele auf gute Weise erreichen kann. Der Anfang liegt wieder einmal in der Beziehung der Eltern untereinander - also bei uns selbst.  Aber es gibt auch viele Regeln, die im Umgang mit den Kindern zu beachten sind - sie sind Mitmenschen, die uns als Amana anvertraut sind - als Pfand vonAllah, das entsprechend geachtet und gehütet werden muss. Dazu gibt es einige Tipps. Und auch die Kinder haben dein Eltern gegenüber Pflichten vn Allah, die man ihnen klarmachen muss, weil ihre Nichtbeachtung eine schwere Sünde darstellt.

5         Verhaltensempfehlungen an die Eltern

 

5.1      Gute Beziehung und Einigkeit der Eltern


Die erste Pflicht der Eltern ist es, für harmonische Familienverhältnisse zu sorgen. Wenn die Eltern wollen, dass das Kind psychisch ausgeglichen aufwächst, sollten sie diese Regeln beachten:

1.) Die Beziehung zwischen den Eltern sollte eine Gute sein. Das Kind braucht die Überzeugung von Harmonie und Übereinstimmung der Eltern. Der Ton in ihrem Zusammenleben hat größten Einfluss auf das gesunde soziale und emotionale Wachstum des Kindes, ebenso wie die Art der Kommunikation und die Vokabeln, die die Eltern verwenden. Ein höflicher und respektvoller Umgang miteinander ist nicht nur für alle angenehmer und vermittelt ein stärkeres Gefühl von Angenommensein und Geborgenheit in einem sicheren Hafen, es prägt auch die Rollenvorstellung des Kindes entscheidend. Wie sagt man doch so schön: Die Mütter erziehen die Machos von morgen, wenn sie die Jungen verwöhnen und ihnen mehr durchgehen lassen. Dies ist aber nur teilweise richtig. Es ist auch der Vater, der seinen Kindern durch sein Verhalten signalisiert, ob Frauen Wesen sind, die man mit Respekt und Güte behandeln sollte, oder ob sie zu bevormunden und herumzukommandieren sind. Daher sollten die Eltern auf jeden Fall an ihrer Ehe und Beziehung arbeiten - wenn schon nicht für sich selbst, so doch wenigstens für ihre Kinder!
Liegen eheliche Probleme vor, führt dies dazu noch oft zu Vernachlässigung der Kinder, weil die Eltern so sehr mit sich selbst beschäftigt sind. In solchen Fällen ist eine Familientherapie empfehlenswert.

2.) Die beiden Eltern müssen sich so gut es geht über die Erziehungsmaßnahmen, die sie bei ihren Kindern befolgen, einig sein. Unterschiedliche Reaktionen der Eltern auf ein Verhalten des Kindes sorgt bei ihm für Irritationen. Es wird nicht wissen, ob sein Verhalten gut oder schlecht, richtig oder falsch war, wenn es gleichzeitig Lob und Kritik kassiert hat.

3.) Jeder der beiden Eltern sollte das Vertrauen des Kindes zu dem anderen Elternteil fördern. Der Ehepartner darf vor dem Kind nicht schlecht gemacht werden, da dies den Respekt untergräbt. Wenn der Ehemann seine Frau nicht ernstnimmt, so braucht er sich nicht zu wundern, wenn seine Kinder dies ebenfalls nicht tun. Dies gilt umgekehrt natürlich genauso. Wenn eine Mutter sich permanent über ihren Eheman beklagt - und dies auch noch vor ihren Kindern - so werden sich die Kinder schon bald fragen, warum sie so einem schlechten Mann überhaupt gehorchen sollen.



5.2      Der gute Umgang mit  den Kindern

 

5.2.1      Gute Voraussetzungen für eine respekt- und liebevolle Beziehung schaffen


Der Prophet Muhammad (s) sagte einst: "Gott segnet den, der seinem Kind hilft, gut zu sein und Gutes zu tun." Er wurde gefragt: "Wie kann man seinem Kind dabei helfen?" Darauf gab er vier Ratschläge:

"1. Nehmt an, was in der Macht des Kindes steht und was immer es im Rahmen seiner Möglichkeiten ausgeführt hat!

2. Was zu schwer und unerreichbar für das Kind ist, verlangt erst gar nicht von ihm!
3. Haltet es nicht zu sündhaften Handlungen an!

4. Lügt es nicht an und begeht ihm gegenüber keine törichten Handlungen!"


Aus Empfehlungen dieser Art, dem Verhalten des Propheten und der Aufforderung, die Kinder zu achten und ihnen Persönlichkeit zu geben, kann man viele Empfehlungen zum guten Verhalten gegenüber den Kindern ableiten. Allah hat uns empfohlen, barmherzig mit den Schwachen zu sein und uns ermahnt, dass jemand, der keine Barmherzigkeit zeigt auch von ihm keine Barmherzigkeit erfahren wird. Im Quran heißt es:

„Und die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die sanftmütig auf der Erde schreiten; und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie friedlich (zu ihnen)“ (Sure 25:63). 

Auch unsere Kinder sind in vielen Dingen noch Unwissende und wir sind ihre Lehrer. Ein liebevolles Verhalten wird eine gute Beziehung zum Kind fördern, so dass es vertrauensvoll auf seine Eltern hören wird insha’ Allah. 


1.) Sei deinem Kind nah. Begegne ihm für gewöhnlich mit einem Lächeln und einem freundlichen Gesicht. Eine starke Bindung und Vertrauen sind die beste Basis dafür, dass das Kind sich lenken lässt. Schenke dem Kind zuerst Liebe und Gelassenheit und mache es zu deinem Freund.


2.) Hilf deinem Kind, ein Ziel im Leben zu haben, damit es seine freie Zeit sinnvoll gestalten lernt und seine Energie kanalisiert und gebündelt wird. Versuche, die Eigenschaften, Stärken und Schwächen deines Kindes kennen zu lernen und seine Talente zu fördern.


3.) Setze ein Beispiel. Die Eltern haben die Pflicht, dem Kind ein gutes Vorbild zu sein und nichts Verbotenes zu tun (z.B. lügen, stehlen, Alkohol und Schweinefleisch zu sich nehmen etc.)


3.) Bringe deinem Kind den Dialog bei als Mittel der Problemlösung und tue alles für den Zusammenhalt der Familie.


4.) Vermeide den Umgang des Kindes mit schlechten Freunden und reduziere das Fernsehen als Quelle von schlechtem Einfluss und unerwünschten Vorbildern auf ein Minimum.


5.) Sei nicht zu idealistisch (nichts erwarten, was jenseits ihrer Fähigkeiten ist). Überlege dir, was du realistischerweise schon vom Kind erwarten kannst, da es sich ja auf dem Weg der Reifung und des geistigen Wachstums befindet.  


6.) Wende angemessene Strafe an, die in Bezug zum begannenen Regelbruch stehen. Versuche, nicht in Wut zu übertreiben.


7.) Vermeide Schamlosigkeiten (Eltern sollten nicht im Wutzustand schlechte, schamlose Worte benutzen, da das Kind sich das sonst auch angewöhnt). Im Islam ist es verboten, die Kinder mit Tiernamen zu beschimpfen, wie z.B. Esel, Hund, Schlange etc. Wenn man dem Kind etwas sagen will, so sollte man besser ein Du'a verwenden: "Möge Allah dich rechtleiten" oder "Möge Allah dir helfen" oder ähnliche Wünsche. Auf keinen Fall sollte man die Kinder verfluchen, wie dies in der arabischen Welt oft üblich ist, indem man dem Kind die Hölle wünscht, die Zerrüttung des Hauses oder ähnlich schlimme Dinge. Vielleicht erhört Allah solche Bitten - werde wir dann zufrieden sein?? Wir wissen vom Propheten Muhammad (sas), dass er zu sagen pflegte, wenn jemand etwas tat, das ihm missfiel: "Möge seine Stirn staubig werden." Damit meinte er, dass derjenige sich häufig im Gebet niederwerfen möge, damit sein Verhalten verbessert würde.


8.) Sei ein geduldiger Lehrer. Der Prophet (sas) sagte: „Lehrt einander und vermeidet es, euch gegenseitig hart zu kritisieren. Der Lehrer ist besser als der Kritiker.“


9.) Vermeide Beleidigungen und harte Kritik (Die Kinder nicht beleidigen, ihre Gefühle nicht verletzen, ihnen nicht sagen, dass sie versagt haben oder dass sie kindisch, chaotisch, dumm usw. sind. Kritik sollte nur an einem bestimmten Verhalten geübt werden, nicht an der Person)


10.) Vermeide, das Kind in Verlegenheit zu bringen (sie nicht vor anderen zu kritisieren oder bloszustellen). So wie man selber nicht wünscht, dass die eigenen Schwächen vor anderen entblöst werden, so ist es dem Kind genauso unangenehm. Es hat ebenso das Recht auf Privatsphäre und die Wahrung seiner Geheimnisse. Wenn man als Eltern dies nicht beachtet, wird das Kind sein Vertrauen verlieren und nicht mehr offen seine Gedanken äußern.


11.) Es hilft, sich folgendes vor Augen zu halten: Es ist nicht so wichtig was passiert, sondern wie man darüber denkt. War eine Sache aus der Entfernung betrachtet wirklich so schlimm, oder kann man es auch anders sehen? Ein Kind will sich erproben und muss viele Dinge erst noch lernen. Wir waren auch mal klein und haben oft dumme oder falsche Dinge gemacht, so wie auch unsere Freunde - trotzdem ist mit der Zeit noch etwas Passables aus uns geworden, oder??


12.) Man darf seine Zufriedenheit mit dem Kind nicht von einer Sache abhängig machen, sich auch die guten Dinge in Erinnerung rufen und wissen, dass die vollkommene Zufriedenheit selten ist. So wie auch beim Ehepartner finden wir vielleicht Dinge,  die uns stören, aber dafür auch viele Dinge, die wir mögen und die uns gefallen. Auch wir selbst sind nicht fehlerfrei!


13.) Akzeptiere dein Kind ohne Bedingungen und Vorbehalte. Es braucht diese bedingungslose Liebe zum Wachsen wie die Blumen den Sonnenschein.


5.2.2      Bedürfnisse ernst nehmen


Für eine erfolgreiche Erziehung ist es wichtig, die Bedürfnisse des Kindes zu verstehen und sich darauf einzustellen. Ein Kind hat viele Bedürfnisse



1.) Das Bedürfnis nach persönlicher Aufmerksamkeit


Dem Kind täglich eine Zeit ungeteilter Aufmerksamkeit zuzugestehen kann viele Probleme im Keim ersticken, denn die Kinder legen oft nur deshalb ein Fehlverhalten an den Tag, um Aufmerksamkeit zu erhalten.



2.) Das Bedürfnis nach Vertrauen


Es stärkt das Selbstvertrauen und die Selbstachtung des Kindes, wenn die Eltern ihm etwas zutrauen und ihm bestimmte Aufgaben zuteilen. Es fühlt sich gebraucht und wertvoll, lernt Verantwortung zu übernehmen und einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.



3.) Das Bedürfnis, Neugierde auszuleben


Ein Kind ist sehr neugierig, macht z.B. ein Spielzeug kaputt, um zu wissen, was da darin ist und stellt sehr viele Fragen. Es ist wichtig, dass wir hier mit Geduld und Verständnis reagieren und seine Fragen altersgemäß beantworten. Wenn ein älteres Kind wiederholt und absichtlich Dinge zerstört, hat dies nichts mehr mit Neugierde zu tun. Dann muss es lernen, dass diese Dinge nicht ersetzt werden, außer es wünscht sie sich zu besonderen Gelegenheiten, wobei es dann eben weniger andere Geschenke bekommt.



4.) Das Bedürfnis zu spielen:


Die Mutter sollte auf folgende Sachen achten:

a) Dem Kind genügend Zeit zum Spielen geben, ohne Unduldsamkeit oder Belästigung zu zeigen.

b) Den Kindern beibringen, wo sie spielen dürfen und wann sie spielen dürfen oder auch nicht (z.B. dass sie in Moscheen nicht spielen sollten oder wenn Gäste da sind die Gäste nicht stören sollten usw.)

c) Das Kind lernt, indem man ihm erzieherisches Spielzeug besorgt womit es seine geistigen Fähigkeiten entwickeln und womit es neue Dinge lernen kann.

d) Anstrengungen machen, Dinge zu vermeiden, bei denen das Kind keine aktive Rolle spielt oder es seine körperliche Bewegung einschränkt, sind wie zum Beispiel das Schauen von Videofilmen oder das Spielen von Computerspielen, da das Kind Bewegung braucht.



 5.) Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit 


Der Prophet (sas) forderte die Eltern dazu auf, gerecht zu den Kindern zu sein, wie bereits ausgeführt wurde. Kinder reagieren sehr sensibel und empfindlich auf empfundene Ungerechtigkeiten und als Eltern müssen wir auf diese Gefühle Rücksicht nehmen.




5.3      Disziplin und Grenzen




Weiterhin ist es wichtig, im Haus Disziplin zu haben. Dies ist die gemeinsame Verantwortung beider Eltern. Disziplin ist eine Art, die Kinder an die gewünschte Art des Benehmens zu gewöhnen; z.B. regelmäßige Essenszeiten, Ordnung in den Zimmern, höfliches Benehmen (nicht nur) wenn Gäste da sind, wo und wann gespielt werden darf und wo und wann nicht. Die Eltern sollen klare, einheitliche Regeln aufstellen, die das Verhalten der Familienmitglieder bestimmen sollen. Das Kind sollte an Änderungen oder Anpassungen solcher Regeln beteiligt werden, denn es respektiert eher das, was es mitbestimmt oder vereinbart hat. Auch für Eltern kann es bestimmte Regeln geben, wie z.B. nicht zu schlagen oder zu schreien. Dann kann man sich partnerschaftlich an die Einhaltung der Regeln erinnern. Das Kind muss anfangs immer wieder an die neuen Regeln und Vereinbarungen erinnert werden, bis es sie verinnerlicht hat.

Die Kinder brauchen Liebe und Disziplin zusammen. Diese Grenzen geben ihnen Sicherheit. Das Kind lernt Selbstachtung und Selbstkontrolle durch Liebe und Disziplin der Eltern.



5.3.1      Vom sinnvollen Umgang mit Regelbrüchen


Wenn das Kind die aufgestellten Regeln bricht, gibt es folgende Tipps, die man beachten kann:



1.) Schlechtes Verhalten darf weder vorübergehend noch indirekt belohnt werden, indem man dem Kind z.B. zusätzliche Aufmerksamkeit schenkt oder das Kind seinen Willen mit unerwünschtem Verhalten durchsetzt. Wenn das Kind seinen Willen durchsetzten will, so benutzt es meistens Verhaltensweisen wie z.B. Weinen, Schreien, Schlagen usw. Diese sollte man dann versuchen nicht zu beachten => Das Kind soll sich daran gewöhnen, leisere Mittel zu benutzen, um seinen Wunsch auszudrücken



2.) Fehlverhalten wird ohne Verzögerung, Härte oder Gewalt getadelt und ggf. bestraft.

Wenn das Kind eine Regel bricht, muss die Kritik an seinem Verhalten geäußert werden, nicht an seiner Person, damit es nicht annimmt, dass es abgelehnt wird, da dies seine Entwicklung beeinträchtigen würde. Man kann dem Kind sagen, dass man es liebt, aber dass dieser Regelbruch nicht gemocht und geduldet wird. Beharrt das Kind nach freundlicher Ermahnung und Bitte noch auf seinem Fehlverhalten, müssen von den Eltern in bestimmtem Ton klare Anweisungen gegeben werden. Das bedeutet, dass für das Kind klar sein muss, dass es jetzt ernst wird. Der Blick muss ernst und unzufrieden sein. Das Kind wird mit seinem Namen gerufen und man sieht ihm in die Augen. Dann muss man einen klaren, kurzen und nicht undurchsichtigen Befehl geben; z.B.: Du hast diese Regel gebrochen, hör sofort auf. Ignoriert das Kind diesen Befehl, muss konsequent, entschieden und ohne zögern eine Bestrafung erfolgen, wie z.B. logische Konsequenzen aus seinem Verhalten oder das Kind für bestimmte Zeit in sein Zimmer zu verweisen. Man kann das Kind auch für 5 bis 10 Minuten an einem bestimmten Ort sitzen lassen oder ihm Vergünstigungen entziehen (Gutenacht-Geschichte, Süßigkeiten…)



3.) Gutes Verhalten wird sofort und ohne Verzögerung belohnt (muss keine materielle Belohnung sein, sondern auch in Form von Lob und Zufriedenheit). Dies ist mindestens genauso wichtig, wie die Bestrafung von Fehlverhalten, da es das Kind zu immer besserem Benehmen anspornt und motiviert. Es hilft auch besonders in solchen Fällen, in denen das Kind sich schlecht benimmt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es bekommt dann stattdessen Aufmerksamkeitsentzug bei schlechtem Verhalten und positive Aufmerksamkeit, wenn es sich gut verhält und wird oft von alleine von schlechtem Verhalten ablassen, weil es sich nicht mehr „lohnt“.



4.) Dialog und Überzeugung. Es ist wichtig, den Kindern zuhören, wenn sie etwas zu sagen haben und mit ihnen einen Dialog zu führen. Es lohnt sich, die Dinge mehr als einmal zu erklären, wenn man vermeiden will, als Willkürherrscher angesehen zu werden.



5.) Streitigkeit auf eine freundliche Weise lösen und auch mal mit Humor weglachen. So können oft Spannungen und Trotz abgebaut und Situationen entschärft werden.



6.) Wechsel der Umgebung oder Veränderung der Situation

Im Kleinkindalter funktioniert Ablenkung sehr gut. Man ändert das Thema oder geht aus dem Raum. Anstatt die Kinder mit richtigem Geschirr spielen zu lassen, einfach Spielzeug-Geschirr geben oder anstatt sie in Büchern kritzeln zu lassen, einen Block geben usw.



7.) Günstige Gewohnheiten entwickeln. Dazu kann man z.B.  erwünschtes Verhalten gemeinsam mit dem Kind so oft wiederholen, bis es zur Gewohnheit geworden ist und automatisch vorgenommen wird.




5.3.2      Warum scheitern einige Eltern daran, Disziplin durchzusetzen?


Manche Eltern resignieren und sind verzweifelt und überfordert mit dem Verhalten ihrer Kinder. Sie haben nie ernsthaft versucht, das Kind am schlechten Benehmen zu hindern und wissen auch gar nicht, wie sie dies angehen könnten. Sie verhalten sich je nach Laune und Tagesform unterschiedlich und unkonsequent. Es kommt auch vor, dass die Eltern sich uneinig sind und unterschiedliche Erziehungsstile verfolgen, was sich sehr ungünstig auf alle Beteiligten auswirkt. Es ist daher sinnvoll und empfehlenswert, wenn die Eltern ihr Wissen über Erziehung erweitern, z.B. durch Lesen von Büchern über Kindererziehung, Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern und Lernen durch Situationen, die man durchmacht und aus den eigenen Fehlern (macht sie mit dem ersten Kind Fehler, soll sie daraus lernen und sie in Zukunft bei diesem und dann auch beim zweiten Kind von anfang an vermeiden usw.)



Manche Eltern wissen um die Wichtigkeit der Disziplin, setzen sich aber nicht durch, da ihnen die Courage (sie haben Angst, sich zu blamieren, wenn das Kind nicht folgt), das Durchhaltevermögen (sie haben keine Lust oder Energie, es bis zum Ende durchzuziehen) oder der Glaube an den Erfolg fehlt. Sie haben manchmal Angst, die Liebe ihres Kindes zu verlieren, wenn sie es zu etwas ungeliebtem zwingen, aber sie verlieren in Wirklichkeit gerade durch dieses Verhalten den Respekt des Kindes.

Manchmal fühlen sich Eltern für das Fehlverhalten des Kindes verantwortlich und schuldig, und solche Schuldgefühle hindern sie daran, etwas zu unternehmen. Dann ist es Sache der Eltern, an sich selbst zu arbeiten und aktiv zu werden.




5.3.3      Vermeiden von Zorn und Gewalt


Umgekehrt gibt es manchmal Eltern, die ihren Zorn nicht unter Kontrolle haben im Umgang mit ihrem Kind und denen die Geduld und Selbstbeherrschung fehlt, dem Kind respektvoll zu begegnen. Auch diese Eltern müssen erst an sich selbst arbeiten und es ist zu empfehlen, dass sie das Kind bei Fehlverhalten in sein Zimmer schicken und sich zunächst selbst beruhigen. Muslimische Eltern können dem Rat des Propheten Muhammad (sas) folgen und audhu billahi min asch-schaitan ir-radgim sprechen, Wudu machen und beten. Auch gab der Prophet den Rat: „Wenn man in Wut gerät sollte man die Position wechseln. Der Stehende soll sich setzen, der Sitzende soll sich hinlegen“. Wenn man sich beruhigt hat, sollte man überlegen, wie man dem Kind die Situation und das Problem in ruhigem Ton erklären kann und wieder auf es zugehen.



Derjenige, der vergeben kann und seinen Zorn beherrschen kann, wird von Allah reichlich belohnt. Dies ist besonders bei kleinen Kindern angebracht, da diese in der Regel nicht bösartig jemandem Unrecht zufügen wollen, sondern sich falsch oder aufsässig verhalten aus Unvermögen (Beispiel: es macht in die Hose), Unbedachtsamkeit (es verschüttet die Milch), Unwissenheit (es klettert auf das Regal), Eifersucht (das Geschwisterchen bekommt alle Aufmerksamkeit) oder Ohnmachtgefühlen heraus (es will etwas und kann diesen Willen nicht durchsetzen, weil es uns unterlegen ist). Wir müssen uns unsere körperliche und geistige  Überlegenheit vor Augen führen, kühlen Kopf bewahren und uns über das kindliche, unbeherrschte Verhalten erheben statt uns auf sein Niveau herabzulassen. Wenn wir versuchen, das Kind zu verstehen und uns einzufühlen, werden wir Mitleid empfinden, vergeben und hilfreich bzw. lehrreich reagieren und evtl. bestrafen, statt wütend zu werden und zu schlagen. Im Quran steht:
 
„Was euch (auch) immer gegeben wird: es ist nur ein vorübergehender Genuss dieses irdischen Lebens, und das, was bei Allah ist, ist besser und dauerhafter für jene, die glauben und auf ihren Herrn vertrauen, und (für jene, die) die schweren Sünden und Schändlichkeiten meiden und, wenn sie zornig sind, vergeben, und (für jene,) die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten und deren Handlungsweise (eine Sache) gegenseitiger Beratung ist, und die von dem spenden, was Wir ihnen gegeben haben, und für jene, die sich wehren, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Die Vergeltung für eine Übeltat soll ein Übel gleichen Ausmaßes sein; dessen Lohn aber, der vergibt und Besserung bewirkt, ruht sicher bei Allah. Wahrlich, er liebt die Ungerechten nicht. Jedoch trifft kein Tadel jene, die sich wehren, nachdem ihnen Unrecht widerfahren ist. Tadel trifft nur solche, die den Menschen Unrecht zufügen und auf Erden ohne Rechtfertigung freveln. Ihnen wird eine schmerzliche Strafe zuteil. Und wahrlich, wer geduldig ist und vergibt – das ist gewiss eine Tugend der Entschlossenheit in allen Dingen.“ (Sure 42:36-42).  

Hier wird klar vor der Übertreibung der Strafe und dem Zufügen von Unrecht gewarnt und stattdessen Geduld und Vergebung anempfohlen.



Es wäre unrichtig zu behaupten, im Islam sei das Schlagen absolut verboten. Es mag Fälle geben, in denen das Kind zu entgleisen droht und alle friedlichen Mittel ausgeschöpft wurden, und in denen man mit Härte durchgreifen muss, um Schlimmeres oder den Zerfall der Familie zu verhindern. Aber auch das Schlagen im Islam hat Regeln. Es darf z.B. nicht ins Gesicht erfolgen und soll eher symbolischen Charakter haben. Schlagen soll aber nicht das erste Mittel sein und sollte nicht im Affekt erfolgen.




6         Pflichten der Kinder gegenüber den Eltern

 


6.1      Respekt, Gehorsam  und Freundlichkeit




Im Quran steht: „… und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihm dienen sollt, und dass man die Eltern gut behandeln soll. Wenn eine oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage nicht zu ihnen "Pfui" und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen ehrerbietige Worte und senke für sie aus Barmherzigkeit die Flügel der Untergebenheit und sage: Mein Herr erbarme Dich ihrer wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein war.“



Im Quran steht auch: „ und wir haben dem Menschen aufgetragen, seine Eltern gut zu behandeln. Seine Mutter hat ihn unter widrigen Umständen getragen und unter widrigen Umständen geboren.“  

Und noch mal: „und wir haben dem Menschen aufgetragen, seine Eltern gut zu behandeln. Seine Mutter hat ihn ja unter wiederholter Schwäche getragen. Und seine Entwöhnung erfolgt in zwei Jahren. Sei dankbar Mir und deinen Eltern.“



Allah wird dem Kind, das sich seinen Eltern widmet eine großzügige Belohnung geben. Auf der anderen Seite wird ein Kind, das widerspenstig ist, und gegen die Wünsche der Eltern handelt, den Zorn Allahs auf sich ziehen. Es gibt zahlreiche Ahadith in dieser Hinsicht. So sagte der Prophet, Salla llahu alaihi wa salam:


"Allahs Freude endet, wenn die Freude der Eltern endet; Allahs Zorn endet, wenn der Zorn der Eltern endet." (Berichtet von At-Tirmidhi, Al-Hakim und Al-Bukhari.)


Die Eltern müssen ihren Kindern daher beibringen, sie respektvoll zu behandeln, denn das Wohlgefallen Allahs liegt im Wohlgefallen der Eltern.

Respektvoll zu sein kann zum Beispiel (ist abhängig von der Kultur) auch heißen, dass man nicht lauter redet als die Eltern, dass man sich nicht vor ihnen hinsetzt, dass man nicht vor ihnen zu essen beginnt und so weiter. Auch der Handkuss ist durchaus in vielen Ländern noch üblich.

Man darf seine Eltern und die Eltern der anderen nicht beschimpfen.

Wenn die Eltern das Kind um einen Gefallen bitten, sollte es diesen rasch und ohne Meckern erledigen. Wenn die Eltern Gäste haben, soll es sie nicht stören, wenn sie sich unterhalten, nicht dazwischenreden. 

Der Prophet (sas) hat gesagt: „Die schönste gute Tat ist Freundlichkeit zu denen, die der Vater liebt.“


Der Prophet (sas) hat gesagt: „Das meistgeliebte bei Allah ist 1) Das Gebet verrichten zu seiner Zeit, 2) Güte zu den Eltern und 3) Der Kampf um Allahs Sache (Gihad“)



Er, Salla llahu alaihi wa salam, sagte auch: "Die größten Sünden sind: Allah Partner beizugesellen, den Wünschen der Eltern zuwider handeln, jemanden töten und falsch zu schwören." (Sahih Al-Bukhari.)


Die Kinder sollen den Eltern in allem gehorchen, was nicht Ungehorsam gegen Allah bedeutet, immer auf sie hören und sich in wichtigen Dingen mit ihnen beraten.



In einem anderen Hadith: Ein Mann fragte den Propheten (sas): Wer hat das Recht auf meine freundliche Kameradschaft? Er (sas) sagte:„Deine Mutter“. Er fragte:„Wer noch?“ Er sagte:„Deine Mutter“. Er fragte:„Wer noch?“ „Deine Mutter“. Er fragte:„Wer noch?“ „Dein Vater“.

Freundliche Kameradschaft bedeutet, sie wie gute Freunde zu behandeln. Mit ihnen viel Zeit verbringen, ihnen von sich viel erzählen und ihre Freude und Sorgen teilen.

Der Prophet (sas) sagte auch: "Die  Strafe jeder Sünde  wird bis zum  Tag des Gerichts zurückgehalten, mit Ausnahme der Sünde des Zuwiderhandelns gegen die Eltern. In diesem Fall wird die Strafe im Laufe seines Lebens, vor seinem Tod stattfinden." (Berichtet von At-Tabarani.)

Allah wird einen Menschen durch seine Kinder ein ebensolches Verhalten erfahren lassen, wie er es selbst gegenüber seinen Eltern praktiziert hat. Dies ist ein Teil der Strafe für schlechtes Verhalten gegenüber den Eltern in diesem Leben.

Es ist berichtet worden, dass Alqama ein guter Gefährte des Propheten (sas) war, der eifrig beim Gebet, beim Fasten und beim Geben von Almosengeben war. Als er jedoch heiratete, war seine Liebe für seine Frau größer als die Liebe zu seiner Mutter und er war nicht gut zu ihr. Als Folge davon war er, als er im Sterben lag, nicht in der Lage, die Shahada "La ilaha illa llah" zu sprechen, welche ja eine Garantie für das Paradies ist. Der Prophet (sas) bat die Mutter, ihrem Sohn zu vergeben, sie lehnte jedoch ab, dies zu tun. Schließlich sagte der Prophet (sas) zu Bilal, dass er Feuerholz sammeln solle und dass er Alqama verbrennen solle, da er ja im Jenseits sowieso brennen müsse. Als sie dies sah, überwiegten die Gefühle der Liebe für ihren Sohn. Sie vergab ihrem Sohn, danach konnte Alqama bei seinem letzten Atemzug die Kalimah "La ilaha illa llah“ sprechen.
  


6.2      Hilfeleistung und Barmherzigkeit im Alter


In einem Hadith heißt es: „Gibril sagte weiter: „Erniedrigt sei ein Mann, der seine Eltern im Alter erlebt, und er hat nicht durch sie das Paradies erreichen können (weil er sie nicht gut behandelt hat).“

Wenn man seinen Eltern im Alter hilft, werden einem jedes Mal viele Sünden vergeben und man bekommt als Belohnung inshallah das Paradies.



In einem weiteren Hadith heißt es: Ein Mann vollzog die Umkreisung der Kaaba und hat seine Mutter getragen, da fragte er den Gesandten Allahs: „Habe ich ihr alles zurückgegeben?“ Er sagte: “Nein, nicht einmal eine Wehe.“ Was sie Eltern, und besonders die Mutter, für die Kinder getan haben, ist sehr viel, und die Gegenleistungen von Seiten des Kindes in Form von Dienst an seinen Eltern und Hilfeleistung im Alter sollen daher  großzügig und demütig ergeben erfolgen.



Einmal kam eine Frau zum Propheten (sas) und wollte für den Islam in den Kampf ziehen. Da fragte der Prophet: „Lebt deine Mutter noch?“ Er sagte: „Ja“. Da riet ihr der Prophet (sas):“Bleib bei ihr, denn das Paradies liegt unter ihren Füßen.“

Er versprach ihr damit das Paradies, wenn sie ihrer Mutter ergeben dienen würde.



Man soll für die Eltern um Vergebung und Gnade bitten, auch wenn sie schon gestorben sind, auch dann noch großzügig und freundschaftlich mit ihren Freunden und nächsten Verwandten umgehen und ihre Versprechen erfüllen. Das ist die Barmherzigkeit nach ihrem Tod.



Wenn man die Möglichkeit hat, kann man für sie Umra und Hadsch verrichten nach ihrem Tod oder in ihrem Namen Spenden, Fasten und Wohltätigkeit verrichten. Alle Formen des Gottesdienstes können in ihrem Namen verrichtet werden außer dem Gebet, wenn die Eltern Muslime sind.





6.3      Verhalten gegenüber Nicht-Muslimischen Eltern




Es wird von einem Kind, dessen Eltern Nicht-Muslime sind, auch erwartet, dass es gut zu seinen Eltern ist, außer in Angelegenheiten, die zum Shirk führen oder im Widerspruch zu Allah stehen - in diesem Fall muss das Kind den Eltern nicht gehorchen. Die guten Beziehungen mit nicht-muslimischen Eltern müssen aber aufrechterhalten werden,  z.B. sie zu ehren, sie freundlich zu behandeln, ihnen finanziell zu helfen falls sie dies benötigen, sie zu besuchen und sich um sie zu kümmern, wenn sie krank sind. Und am wichtigsten ist es, dafür zu beten, dass die Eltern die Rechtleitung Allahs erhalten werden.

Imam Muslim berichtete die Geschichte von Sad bin Waqqas, dessen Mutter einen Eid leistete, dass sie nicht mit ihm reden würde, und dass sie weder was essen, noch trinken würde, bis er den Islam verlässt. Sie sagte: "Allah hat dir auferlegt, deinen Eltern zu gehorchen. Ich bin deine Mutter, also musst du mir gehorchen." Schließlich fiel sie in Ohnmacht, bis ihr jemand etwas geben musste. Aus diesem Grund wurde der folgende Vers offenbart:

"Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber darum bemühen, dass du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht." (Surah Al-Ankabut (29: 8)







Kommentare:

  1. Die Beschneidung junger Mädchen ist im Islam gang und gebe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Beschneidung der Mädchen hat mit dem Islam nichts zu tun. Dies ist ein aus pharaonischer Zeit stammender Brauch, der in Nordafrika noch immer Sitte ist. Nicht alles, was manche Muslime tun, kann dem Islam zur Last gelegt werden. Hitler und Behring Breivik, der Mörder von 77 Jugendlichen in Norwegen, waren auch Christen. Ich wünsche mir bei deiner Argumentation etwas mehr Niveau und Respekt.

      Löschen